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Wer gerne guten Kaffee trinkt, wird früher oder später auf den Begriff Cup of Excellence stoßen. Es handelt sich dabei um den Wettbewerb für Spezialitätenkaffee schlechthin. Ziel von Cup of Excellence ist es, die besten Kaffees eines Landes zu küren. Was genau dort passiert, welche Kaffees zugelassen sind, wer die Jury ist und warum Cup of Excellence so wichtig ist, erfahren Sie hier.

Das passiert beim Cup of Excellence

Die Bewertung eines Kaffees, das sog. Grading, fängt nicht erst beim gekochten Kaffee an. Es beginnt schon bei der rohen Kaffeebohne, dem noch nicht gerösteten Kaffee, denn schon hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Danach erfolgt die Bewertung der gerösteten Bohnen hinsichtlich Röstfarbe und -Qualität.

Ruanda 1 - Cup of Excellence: wo Kaffees einen Oscar kriegen

Jetzt geht es ans sog. Cupping, der Verkostung der Kaffees. Frisch gemahlen wird erst jede Probe auf ihren Geruch hin bewertet. Bei diesem Schritt nehmen die Juroren bereits einen Teil des geschmacklichen Profils der Kaffees durch ihren jeweiligen Duft wahr und können ihre Qualität schon hier beurteilen.

Und jetzt beginnt das große Schlürfen von einer Tasse zur nächsten. Beim Schlürfen vermengt sich Kaffee mit Sauerstoff. Dieser Vorgang verstärkt die geschmackliche Wahrnehmung und hilft den Experten bei der Beurteilung. Bewertet wird nach einem vorgegebenen Kriterienkatalog. In zehn Kriterien dürfen die Juroren max. zehn Punkte verteilen, sodass ein Kaffee max. 100 Punkte erreichen kann. Kriterien sind u.a. Geschmack, Vollmundigkeit, Ausgewogenheit, Süße, Abgang und Gesamteindruck.

Ruanda 2 - Cup of Excellence: wo Kaffees einen Oscar kriegen
Thomas Eckel im Vordergrund beim Cup of Excellence in Ruanda 2014.

Erst die nationale Vorauswahl, dann das Finale

Nur Kaffees, die eine Bewertungsrunde mit mehr als 80 Punkten erreichen, dürfen als „Spezialität“ bezeichnet werden.Wenn der Hersteller das erreicht hat, hat er einen langen Weg hinter sich mit einem Kaffee, der überzeugt. Je nachdem wie groß das Land ist, in dem der CoE abgehalten wird, kämpfen zwischen 100 bis 900 verschiedene Kaffees um einen Platz in den begehrten Top Ten. Bei dieser großen Anzahl wird deshalb eine Vorauswahl getroffen durch eine nationale Jury, bestehend aus Mitarbeitern von Kaffeeorganisationen, Exporteuren, Röstern und anderen Kaffeeexperten.

Ein Kaffee wird in fünf Tassen zubereitet und verkostet, um mögliche Röstfehler ausschließen zu können. Ziel dieser nationalen Verkostungsrunde ist es nicht nur, möglichst ausgewogene und gute Kaffees zu ermitteln, sondern auch um auszusieben und geschmacklich herausragende Profile zu entdecken. Am Ende machen etwa 60 Kaffees das Rennen, die der internationalen Jury vorgesetzt werden. Sie setzt sich zusammen aus einflussreichen Röstern sowie Kaffeekäufern und -Verkäufern. So war auch Thomas Eckel schon mehrmals Mitglied dieser Jury.

Cupping Table 01 BLog - Cup of Excellence: wo Kaffees einen Oscar kriegen

Jetzt entscheidet der Geschmack

In dieser zweiten Verkostungsrunde ist nun die internationale Jury dran. Das Besondere: die Jury verkostet blind. Das heißt, die Juroren kennen weder den Namen des Herstellers noch die Aufbereitung oder die Varietät der Kaffeeproben. Und das bedeutet wiederum: einzig und allein der Geschmack entscheidet.

Die Juroren verkosten und bewerten, unabhängige Prüfer dokumentieren alles. Nur Kaffees, die über 84 Punkte erreichen. Meistens bleiben an dieser Stelle zwischen 20 und 30 Kaffees übrig, die eine erneute Verkostungsrunde antreten, bis die Top Ten ermittelt sind.

Kaffees mit mehr als 85 Punkten gehören schon in die Gewinner-Riege und können bei den folgenden Auktionen Spitzenpreise erzielen. Die Punktezahl allein gibt nämlich nicht den Ausschlag dafür, wie hoch er gehandelt wird. Die Einzigartigkeit der Kaffees ist hier das Kriterium, weshalb ein Platz 25-Kaffee u.U. zu einem höheren Preis gehandelt werden kann als ein Platz 5-Kaffee.

Warum der Cup of Excellence so wichtig ist: “da ist jeder Bauer gleich”

Dieser herausragende Wettbewerb wechselt jedes Jahr den Austragungsort und findet in den Kaffeeanbauländern von Afrika, Süd- und Mittelamerika statt. „Wir arbeiten daran, dass wir weitere spannende Kaffeeländer ins Boot holen können, z.B. auch solche aus dem asiatischen Raum oder weitere in Afrika“, erzählt uns Laurie Linn von Alliance for Cup of Excellence. Teilnehmen kann jeder Kaffeebauer des austragenden Landes ohne jegliche Gebühr. Und genau das macht den Cup of Excellence zu einer wichtigen Sache: er ist ein Wettbewerb, bei dem für alle Bauern ein- und dieselben Bedingungen gelten ohne finanzielle Vorleistung. Es zählt allein die Qualität, und das ermöglicht es auch kleinen Herstellern Zugang zum Markt der Spezialitätenkaffees. Die Preise, die sie erzielen, liegen immer deutlich über dem Weltmarkpreis, sodass diese Auszeichnung immer ein Gewinn ist für jeden Hersteller.

Susie Spindler, Mitgründerin von Alliance for Cup of Excellence, geht es darum, gute Qualität und nachhaltiges Wirtschaftsdenken zusammenzubringen, und das mit Leidenschaft und Fairness. CoE will Strukturen umkrempeln: Qualität an den Mann bringen und dabei den Kontakt zwischen Farmern und Käufern direkt herstellen. „Wir haben gesehen, dass das eine positive Spirale in Gang setzt. Die Käufer fragen verstärkt direkt bei den Bauern nach, weil sie wissen, dort kriegen sie beste Qualität. Genau so etwas wollen wir.“