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Der Schokoladenhersteller Casa Luker ist einer der traditionsreichsten Edelkakaoverarbeiter. Lateinamerikas. 1906 gegründet, ist Casa Luker bis heute ein Familienunternehmen, das auf nachhaltige Entwicklung und enge Zusammenarbeit mit den kolumbianischen Kakaobauern setzt. In Kolumbien ist Casa Luker v.a. für seine Trinkschokolade bekannt, die dort bis heute das tägliche Frühstücksgetränk ist.

Ausgelöst durch Casa Luker sind Partnerschaften zwischen Kakaobauern, Arbeitern und Kunden entstanden, die jedem seinen fairen Anteil an der Wertschöpfung sichern, die wiederum ausschließlich in Kolumbien stattfindet. Wissen wird transferiert, Erlöse fließen in Maßnahmen zur Schul- oder Weiterbildung, Kinderarbeit ist hier absolutes Tabu und auch die Umwelt wird nicht vergessen – es gibt hier keine Monokulturen, die die Natur auslaugen. Mit einer diversifizierten Bewirtschaftung der Böden wird die Zukunftsperspektive der Region langfristig stabilisiert. Eine wirklich gute Schokolade überzeugt eben nicht nur durch ihren Geschmack.

Das ist aber nur der erste Teil unserer Geschichte – hier kommt der zweite: in Ottobrunn bei München eröffnete im September 2015 Andreas Mohrs, im Hauptberuf Verkehrspilot, eine kleine feine und mittlerweile erfolgreiche Chocolaterie namens Chocion. Der qualitativ hochwertige Edelkakao von Casa Luker ist dabei wegen seiner erlesenen Aromen wesentlicher Bestandteil des Erfolgsrezeptes von Chocion. Und für Andreas Mohrs sind die nachhaltigen und zukunftsorientierten Konzepte von Casa Luker mehr als nur eine in Pralinen gegossene Herzensangelegenheit. In seinem Laden wird schon mal über die hohen Preise geschimpft oder nach einem Sonderangebot gefragt. Einmal warf ein Kunde sogar einen Beutel Bruchschokolade einfach hinter die Theke, nachdem er für 300g 11,97 Euro hätte bezahlen müssen.
Jetzt könnte man sagen: Ja fein, auf Nachhaltigkeit bedachter Produzent trifft auf Schokoladenjunkie mit verkäuferischem Talent und fairer Überzeugung, beide profitieren von dieser Symbiose und wir kommen ganz nebenbei in den Genuss von lecker Schoko – und?

Dazu muss man erst einmal verstehen, wo und unter welchen Voraussetzungen der Kakao bislang gepflanzt und geerntet wurde – im zum Teil undurchdringlichen Dschungel, ohne Straßen und mitten im Guerillagebiet. Hier sind bis vor einigen Jahren täglich Menschen erschossen, vergewaltigt, und ausgebeutet worden. Land und Wirtschaft waren fest in Mafiahand – produziert wurde Kokain statt Kakao.
Casa Luker hat dort mit Unterstützung von Andreas Mohrs in den letzten Jahren weit über 5.000 Kakaobäume angepflanzt und neue Feldwege angelegt. Im Gebiet von Necoli im Norden des Landes wurden mittlerweile über 10.000 US Dollar investiert. Um die 50 Bauern wurden eingestellt und bei fester Bezahlung angelernt. Kakaobäume tragen erst nach ca. vier Jahren Früchte. 2017 konnte dort zum ersten Mal geerntet werden. Die Bauern haben sich mittlerweile dort niedergelassen und versorgen das gesamte Gebiet. Die Guerillakämpfe sind zurückgegangen, die Vergewaltigungsrate liegt bei fast Null und die Menschen haben erstmals wieder so etwas wie Zukunftsperspektiven. Casa Luker kauft immer weiteres Gebiet dazu, wodurch die Kämpfe noch weiter zurückgedrängt werden. Es ist ein Erfolgsmodell, für das Casa Luker in Kolumbien schon viele Preise gewonnen hat. Es wurde auch eine Schule gebaut und von dem Erlös durch den Verkauf von Schokolade in Ottobrunn wurden u.a. Schulbücher gekaut.

Andreas Mohrs reist regelmäßig und so oft es geht nach Kolumbien, um sich um mehrere soziale Projekte zu kümmern, an denen er beteiligt ist. „Bevor wir den Kindern das Lesen beibrachten, mussten wir ihnen vermitteln, warum sie Lesen lernen sollten. In den Anfangsjahren haben wir professionelle Geschichtenerzähler nach Necoli gebracht, die auch aus Büchern vorgelesen haben. Aus traumatisierten Kindern sind mittlerweile Kinder geworden, die lachen, weinen, singen und tanzen. Das vor Ort zu erleben, hat mich sehr berührt. Es zeigt, dass es sich lohnt, sich zu engagieren“, sagt er.

Auf einer Reise im Sommer 2017 im kolumbianischen Dschungel begegnete er in der Nähe einer Plantage zwei Kindern au einem Esel. Die beiden, ein Junge und ein Mädchen, waren auf dem Weg zur Schule – einem Weg, für den man zu Fuß bis zu vier Stunden braucht. Und zurück nochmal so lange. Sehr beschwerlich, nicht nur bei Regen bleiben die Kinder oft zuhause und verpassen so den Unterricht. Esel erleichtern den Schulweg und halbieren die Zeit. Andreas Mohrs hatte die Situation begriffen. „Ich hab spontan gesagt, wir kaufen 200 Esel.“ Ein Tier kostet in Kolumbien ca. 100 US Dollar, das ist ein schier unermesslicher Wert für einen Kolumbianer. „Das ist als ob man hier jemandem einen Mercedes schenkt“, erklärt Andreas Mohrs.

Mittlerweile hat er sein Ziel, diese 200 Tiere zu bezahlen, längst erreicht.

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