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Aus Botanikersicht ist Koffein das Pflanzengift des Kaffeestrauches und schützt die Kaffeepflanze gegen Fressfeinde.

Aus Chemikersicht ist Koffein ein Alkaloid aus der Stoffgruppe der Xanthine, gehört damit zu den psychotropen Substanzen und ist als solche den Stimulantien zugeordnet. Weltweit ist Koffein somit das am häufigsten konsumierte Aufputschmittel, denn es findet sich in Genussmitteln wie Kaffee, Tee, Cola, Mate, Guaraná, Energy-Drinks und in geringen Mengen auch in Kakao.

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Isoliert und extrahiert tritt es als weißes, kristallines und geruchloses Pulver mit bitterem Geschmack auf, das in manchen Kopfschmerztabletten seine Wirkung tut. Somit liegt aber auch der Schluss nahe, dass es sich bei Koffein in reiner Form um eine weniger günstige Substanz handelt.

Das ist zu einem gewissen Grad auch richtig. Insbesondere für Kinder, Herz-Kreislauf-Erkrankte als auch für Schwangere und stillende Mütter sollte Koffein tabu sein. Für andere ist seine anregende Wirkung sehr erwünscht aufgrund der positiven Effekte, die man ihm nachsagt.

Wir alle kennen einige dieser gewünschten Auswirkungen von Koffein und nutzen sie. Koffein wird nachgesagt,  stimulierend zu wirken auf Antrieb und Konzentration. Es wird geschätzt als Muntermacher im Morgenkaffee, zur Förderung des Durchhaltevermögens bei langen Besprechungen oder auch zur Anregung der Verdauung. Da Koffein die Herzfrequenz steigern und im Gehirn gefäßverengend wirken soll, lässt sich auf leichte Art und Weise der Kreislauf anregen und sogar ein Alltags-Kopfschmerz verscheuchen.

Koffeingehalt einer Tasse Kaffee
Der Koffeingehalt einer Tasse Kaffee liegt zwischen 50 und 150 mg Koffein pro Tasse, je nach Kaffeesorte und Art der Zubereitung. Da ist es gut zu wissen, dass Robusta-Kaffee im Gegensatz zu Arabica annähernd die doppelte Koffeinmenge enthält. Es gibt Kaffees, die eine Mischung aus Arabica- und Robustabohnen sind. Je höher der Anteil an Robusta, umso höher auch der Koffeingehalt des Kaffeegetränkes.

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Bei der Zubereitung haben Faktoren wie das Verhältnis von Kaffeepulver zu Wasser, der Mahlgrad und die Brühzeit Einfluss auf den Koffeingehalt.

Generell enthält Filterkaffee weniger Koffein als Kaffee aus der Siebträgermaschine, der mittels Druck gebrüht wurde. Die Zugabe von Milch verlangsamt die Koffeinaufnahme. In einem Energy-Drink befindet sich ein erheblicher Anteil Koffein, und die Aufnahme wird durch die recht hohe Zuckermenge beschleunigt.

Entkoffeinierung des Kaffees
Für viele Genießer kommt entkoffeinierter Kaffee nicht in Frage, weil er meistens bitter schmeckt und ausgesprochen unaromatisch ist. Dies liegt an der Art, wie dem Kaffee das Koffein entzogen wurde. Es werden in der Hauptsache zwei Vorgehensweisen angewendet:

• Herkömmliches Verfahren: chemische Extraktion mittels chemischer Lösungsmittel
• Alternatives Verfahren: zB. CO2-Verfahren mittels Kohlenstoffdioxid (CO2) in Form von Dampf

Bei den chemischen und am häufigsten angewendeten Verfahren wird das Koffein durch mehrere Waschungen mittels chemischer Lösungsmittel (z.B. Dichlormethan) dem Rohkaffee entzogen. Dabei löst sich aber nicht nur das Koffein, sondern auch ein großer Teil der Aromastoffe. Verständlich also, dass auch bei sorgfältiger Röstung der Geschmack dieses Kaffees ins Hintertreffen gerät.

Was in Bezug auf diese konventionelle Extraktion bisher wissenschaftlich noch nicht grundlegend erforscht ist, sind die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen durch chemische Rückstände. MKR_entkoffeinierungsprozess_400

Das sehr viel aufwändigere CO2-Verfahren ist gleichzeitig ein sehr schonendes Verfahren zur Entkoffeinierung von Rohkaffee. Hierbei ist Kohlendioxid (CO2) in überkritischem Zustand (mit hohem Druck verdichteter Dampf) das eingesetzte „Lösungsmittel“, und der Rohkaffee wird ebenfalls mehrmals damit „gespült“. In dieser Form bringt es beste Voraussetzungen für einen schnellen Stoffaustausch mit, löst allerdings NUR das Koffein aus den Bohnen, die Aromen bleiben vollständig erhalten. Wir sind von dieser Anwendung überzeugt.

Entkoffeinierter Kaffee – für wen?

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Menschen mit Herz-Kreislaufbeschwerden: Koffein soll gefäßverengend wirken und die Herzfrequenz erhöhen. Ganz klar also, dass man mit Herz-Kreislauferkrankungen oder Bluthochdruck Koffein meiden sollte.

Aber auch gesunde Kaffeetrinker berichten uns von Unruhezuständen und Zittern, wenn sie zu viel oder auch Kaffee mit hohem Robusta-Anteil getrunken haben. Hier wäre zwischendurch eine Tasse Entkoffeinierter das Genussmittel der Wahl.

Ältere Menschen: Sie leiden häufig unter Schlafstörungen und verzichten daher lieber freiwillig auf eine genüssliche Tasse Kaffee am Nachmittag. Hier macht sich wieder die stimulierende Wirkung des Koffeins bemerkbar.

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Schwangere: Im Mutterleib passiert das Koffein die Plazentaschranke und gelangt über das Blut direkt zum Ungeborenen. Damit auch Schwangere ihre Tasse Kaffee genießen können, sollten sie zu Kaffee greifen, dem das Koffein mittels Dampf und Druck entzogen wurde.

Stillende Mütter: Das Koffein geht in die Muttermilch über und kann so im Organismus des Kindes seine negative Wirkung ausüben. Unruhige Nächte, Blähungen und Bauchschmerzen können die noch harmloseren Folgen sein. Koffein wird von Babys sehr viel langsamer abgebaut, als von Erwachsenen, es kann bis zu drei Tage dauern.

Genießer: Sie lieben aromatischen Kaffee und möchten auch abends noch eine schöne Tasse „Guten-Abend-Kaffee“ genießen? Dann ist CO2-entkoffeinierter Kaffee für Sie genau der Richtige.


Entkoffeinierter Kaffee – bewusst genießen

Die Murnauer Kaffeerösterei legt großen Wert auf Genuss in allen Belangen, auch bei den entkoffeinierten Kaffees. Daher werden bei uns nur Rohkaffees geröstet, die vorher mit dem CO2-Verfahren aufbereitet wurden. Durch unsere auf die enthaltenen Aromen abgestimmte, und handwerklich traditionell vorgenommene Röstung, entstehen hocharomatische Kaffees und niemand muss auf den sinnlichen Genuss einer guten Tasse Kaffee verzichten.

Und um auch Kunden, die auf Koffein verzichten, Abwechslung zu bieten, sind mittlerweile zwei unterschiedliche koffeinfreie Kaffees im Angebot der Murnauer Kaffeerösterei zu finden.

Quellenangaben:

Studie der IARC: www.iarc.fr
Deutsches Institut für Ernährungsforschung: www.dife.de
Studie der EFSA: www.efsa.europa.eu/sites/default/files/corporate_publications/files/efsaexplainscaffei ne150527de.pdf
Informationen zur gesundheitlichen Wirkung von Kaffee, unter anderem auch zu Diabetes und Alzheimer: www.coffeeandhealth.org
Deutscher Kaffeeverband e. V.: www.kaffeeverband.de

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