Lesedauer: ca. 8 Minuten

Die Spülregeln einer Espressomaschine

Reinigung – eher ein Thema, das man gerne mal auf die lange Bank schiebt. Spätestens dann, wenn der Kaffee trotz hochwertiger Bohnen, passendem Mahlgrad und perfekt eingestellter Maschine nicht mehr schmeckt, sollten Sie die Putzlumpen zücken. Dabei kostet es gar nicht so viel Zeit, und die Mühe lohnt sich: eine saubere Maschine ergibt großartigen Kaffeegeschmack und bleibt über viele Jahre ein zuverlässiger Begleiter in Ihrer Kaffeeküche. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihre Espresso-Maschine im Handumdrehen und richtig pflegen.

 

Schmutzige Fakten

Im Grunde sind es drei Delinquenten, die schmutzige Fakten schaffen: Kaffee, Wasser und Milch.

Kaffee:

So klein eine Kaffeebohne auch sein mag: sie ist vollgepackt mit einer Menge natürlicher Aromen. Träger dieser Aromen sind Kaffeeöle, sprich: nicht wasserlösliche Fette, die sich auf Teilen der Maschine wie ein Film ablegen. Wie alle Fette, werden auch Kaffeeöle irgendwann ranzig und können sich durch Hitze festbrennen. Die Folge: der Espresso schmeckt ranzig, sauer oder bitter oder alles auf einmal. „Dazu kommt, dass sich ein bisschen Kaffeesatz auch in Teilen der Maschine absetzt. Gefundenes Fressen für Bakterien, wenn nicht regelmäßig sauber gemacht wird“, erklärt Yurdagül Cosgun, Expertin von lujoclean für die Reinigung von Kaffeemaschinen.

Kaffeesatz

Wasser:

Da Espresso zum Großteil aus Wasser besteht, ist auch Kalk ein Thema. Er setzt sich überall dort ab, wo die Maschine mit Wasser in Berührung kommt, also Wassertank, Brühgruppe (der kompakte Teil, in den das Sieb in die Maschine eingehängt wird) sowie sämtliche Wasserleitungen. „Klare Anzeichen für zu viel Kalk sind laute Pumpgeräusche, der Kaffee kommt nicht mehr so heiß heraus und er kann sauer schmecken“, weiß Yurdagül.

blaues Wasser mit Blasen

 

Milch:

Ist Milch im Spiel, gibt es einen weiteren Hotspot: die Dampflanze. Milchfett und -Eiweiße setzen sich automatisch in ihr und auf ihr ab. Verhärtet der Film, kann es zum sog. Milchstein kommen. „Diese Verhärtungen sind besonders im Inneren der Düse hartnäckig“, sagt Yürdagul. Neben einem ranzigen Geruch und einem unangenehmen Geschmackserlebnis sind diese Ablagerungen eine Einladung für ein breitgefächertes Bakterien-Bouquet, und dann kann es auch die Gesundheit betreffen.

Milchschaum wird gemacht an Espressomaschine

 

Der Putzplan

Damit Ihr Espresso ein Genusserlebnis bleibt, sollten Sie Ihre Espressomaschine also regelmäßig reinigen. Sie müssen jedoch nicht jedes Mal das ganz große Programm durchziehen. Wir haben einen „Putzplan“ erstellt mit Turnusübersicht.

Täglich

  • Rückstände entfernen:

Pinseln Sie Reste von Kaffeesatz aus dem Siebträger und von der Brühgruppe, damit nichts verkrustet. Um schwer zu erreichende Reste zu entfernen, gibt es sog. Gruppenbürsten mit dem Vorteil gebogener Bürstenköpfe.

Gruppenbuerste geknicktGruppenbuerste gerade

Gruppenbürsten mit oder ohne Knick: beide machen Siebträger und Brühgruppe sauber.

 

  • Spülen & Flushen:

 

Spülen Sie Siebträger und Sieb mit klarem Wasser aus, am Ende des Tages oder zwischendurch, je nachdem wie oft die Maschine im Einsatz ist. Gerade wenn Sie mehrere Espressi zubereiten, lohnt sich das, denn so beugt man Verkrustungen von Kaffeesatz und -Ölen vor. Daher empfiehlt es sich auch, den Brühkopf zu flushen, wenn Ihre Maschine öfter im Einsatz ist. Das bedeutet: das Wasser einfach mal durchlaufen lassen in das Auffangbecken.

Wasser laeuft aus Espressomaschine

  • Auffangbecken ausleeren & sauber machen:

Alles, was daneben geht, tropft durch das Auffangsieb in das Becken darunter. Damit nichts festklebt und um Rost und einem muffigen Geruch vorzubeugen, Auffangsieb und Becken am besten täglich reinigen.

  • Dampflanze abwischen:

Oberstes Barista-Reinheitsgebot ist es, nach jeder Milchschäumung einen kurzen Dampfstoß durch die Lanze zu lassen, sodass auch das letzte Bisschen Milch hinausgeblasen wird. Zum Schluss mit einem weichen und feuchten Tuch sauber wischen. Was manchmal nicht beachtet wird: vor dem Milchschäumen unbedingt einen Dampfstoß ablassen. So wird der Unterdruck abgebaut. Wird das nicht gemacht, zieht der Unterdruck einen Teil der Milch in die Maschine nach innen – mit unappetitlichen Folgen.

Dampflanze einer Espressomaschine stoesst Dampf aus

  • Rückspülen:

Dieser Vorgang reinigt die Brühgruppe. Nehmen Sie dazu das Sieb aus dem Siebträger heraus und setzen Sie das sog. Blindsieb ein. Es hat keine Löcher, das Wasser kann daher nicht durchlaufen, sondern wird zurückgespült.

schwarze Gummischeibe liegt halb in kleiner Metallschuesselkleine Metallschuessel

Hängen Sie den Siebträger wieder ein, Knopf drücken oder Hebel ziehen, so als ob Sie einen Espresso zubereiten würden. Keine Sorge, das Wasser läuft nicht in die Maschine zurück, es wird über den sog. Bypass, einen separaten Abfluss, wie Sie ihn in unserem Bild erkennen können, nach draußen gespült und landet im Auffangbecken. Wiederholen Sie den Vorgang so oft, bis kein Kaffeesatz mehr im Wasser schwimmt. Es reicht, wenn Sie diesen Vorgang nach dem letzten Espresso des Tages vornehmen.

Espressomaschine in Nahaufnahme mit rotem Pfeil, der auf Bypass zeigt

 

Wöchentlich

Die tägliche Reinigung beseitigt schon eine Menge, kleine Reste von Fett und Kaffeesatz können aber trotzdem noch hängen bleiben. Deshalb sollte man nach einer Woche Reinigungsmittel verwenden für folgende Schritte:

  • Dampflanze reinigen:

Schrauben Sie die Düse, den unteren Teil der Lanze, vorsichtig ab und legen Sie sie am besten über Nacht in einen speziellen Milchreiniger oder Fettlöser ein. Festsitzende Milchreste lassen sich gut mit einer Nadel entfernen. Die Düse anschließend gut mit Wasser abspülen, wieder aufschrauben und gründlich Dampf aus der Lanze ablassen.

  • Brühgruppe & Siebe reinigen:

Reinigen Sie Brühgruppe, Siebträger und Sieb gründlich mit der Gruppenbürste. Für eine schnelle Reinigung der Brühgruppe greifen manche Baristas auf einen extra Brühgruppenreiniger mit einer speziellen Membran zurück, entwickelt und patentiert von Espazzola.

Reinigung

Das professionelle Reinigungswerkzeug wird wie ein Siebträger in die Brühgruppe eingehängt. Die Membran darin passt sich dem Inneren an und schmiegt sich in die hintersten Winkel. Unsere Meinung: ein kluges und gutes Werkzeug, eine gute Gruppenbürste tut es aber auch. Legen Sie diese Teile zusammen mit dem Blindsieb in einen Fettlöser ein. Achten Sie darauf, dass der Griff des Siebträgers aus Holz, Gummi oder Kunststoff nicht mit dem Reinigungsmittel in Berührung kommt. Nach der vom Hersteller empfohlenen Einwirkzeit mit klarem Wasser abspülen und wieder zusammensetzen.

  • Rückspülen:

Setzen Sie jetzt wie bei der täglichen Rückspülung ein Blindsieb ein und füllen Sie dazu einen Fettlöser ein.

siebtraeger mit Blindsieb - Reinigung Espressomaschine: Tipps für langen und ungetrübten Kaffeegenuss

Bitte beachten Sie hier die Dosierungshinweise des Herstellers. Siebträger in die Brühgruppe einspannen und rückspülen. Damit das Reinigungsmittel das Fett gut lösen kann, lassen Sie den Siebträger etwa 3 Minuten in der Brühgruppe und spülen Sie dann mehrmals rück. Siebträger ausspannen, mit einer Bürste eventuelle Reste von Kaffeesatz vom Brühkopf lösen, Siebträger erneut eispannen und danach so oft rückspülen, bis es klar und ohne Rückstände in das Auffangbecken tropft.

 

Viertel- bis Halbjährlich

Irgendwann braucht Ihre Espressomaschine etwas mehr Aufmerksamkeit in Form einer Entkalkung. Je nachdem wie oft sie im Einsatz ist und nach lokaler Wasserhärte, kann das nach drei Monaten der Fall sein, spätestens nach sechs Monaten sollten Sie entkalken, um die Lebensdauer der Maschine zu verlängern. Ablagerungen können den Wasserfluss blockieren, gelöste Teilchen können Leitungen sogar verstopfen und einen Schaden verursachen. Wichtig ist hierbei: beachten Sie auf jeden Fall die Angaben des Herstellers zur Entkalkung!

 

Hausmittel vs. Spezialreiniger

Für Reinigung und Entkalkung von Kaffeemaschinen generell ist die Verwendung spezieller Reinigungsprodukte ratsam. „Hausmittel wie z.B. Essigessenz und Zitronensäure mögen Kalk zwar lösen. Diese Säuren sind jedoch sehr stark und zu aggressiv für das sensible Innenleben von Kaffeemaschinen, sie können sich durch Leitungen und andere Materialien fressen“, erklärt Yurdagül.

Spezialreiniger seien nicht nur hinsichtlich Wirksamkeit, sondern auch auf Materialschonung entwickelt. „Außerdem gibt es bei den Reinigungsmitteln unkomplizierte Dosierungsangaben, während das bei Essig & Co. eher auf Pi mal Daumen hinausläuft“, ergänzt sie. Auch rät die Spezialistin davon ab, Teile mit Spülmittel sauber zu machen. „Spülmittel setzt sich ab wie ein starker Film und kann Rückstände hinterlassen. Die wiederum zerstören die Kaffeeöle, dann war’s das mit der Crema und dem Geschmack. Und das will doch niemand.“