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Müll stinkt zum Himmel! Und das nicht nur im wörtlichen Sinn. Die junge Vanessa Binder aus Riegsee denkt sich das schon lange, ganz besonders dann, wenn sich die Gelben Säcke in ihrem Dorf wieder vor jedem Haus türmen. Sie wünscht sich mehr Bewusstsein für die Umwelt und dass sich die Menschen fragen „Braucht’s die in Plastik eingeschweißte Gurke wirklich?“. Mit gerade mal neun Jahren hat sie da schon ein ganzes Stück Arbeit geleistet: dieses Mädchen hat so viel Power, dass sie ein ganzes Dorf angesteckt hat mit der Idee des Plastik-Fastens.

 

„Sonst geht die Welt noch im Plastik unter“

Seit sie mit ihrer Mutter Susanne Binder im Frühling 2017 durch Riegsee geradelt ist und dabei die vielen Gelben Säcke am Straßenrad sah, ist sie schockiert, wieviel Müll wir produzieren. „Es muss weniger werden, sonst wird die Welt noch im Plastik untergehen“, sagt sie mit fester Überzeugung. Seither beschäftigt sie sich mit dem Thema. Deshalb kam sie auf die Idee, alle Gelben Säcke zusammenzutragen und sie als einen riesigen Müllberg herzuzeigen. So trommelte das Mädchen rund 25 Kinder zusammen, zog mit ihnen von Haus zu Haus und bat die Dorfbewohner darum, ihre Gelben Säcke einen Tag vor der Müllabfuhr vor die Tür zu stellen. Auch drei Bauern kamen mit Traktoren und Anhängern und halfen, die Säcke einzusammeln und vor dem Rathaus zu einem riesigen Berg aufzutürmen. Danach rief Vanessa das Dorf für vier Wochen zum Plastik-Fasten auf. Das hieß verzichten auf Tetra-Packs, abgepackte Wurst- und Käsewaren, in Plastik verschweißtes Obst und Gemüse, Einkaufstüten etc.

 

Plastikfasten1 300x225 1 e1611664911427 - "This girl is on fire!" - Vanessa fastet mit Riegsee Plastik

 

Bayerischer Rundfunk und RTL wollten Ergebnis sehen

Vier Wochen später gab es den Vergleich. Wieder sammelten die Kinder die Gelben Säcke ein, um sie vor dem Rathaus zu sammeln. Da waren nicht nur die Dorfbewohner gespannt, sondern auch die Medien bekamen Wind davon. Kamerateams von RTL und dem Bayerischen Rundfunk sowie die örtliche Presse waren gekommen, um sich das Ergebnis anzusehen. „Es ist weniger geworden!“, freute sich die junge Riegseerin und strahlte dabei über das ganze Gesicht.

 

„Mach dein Deo einfach selbst“

Gezählt wurden die Säcke zwar nicht, das ist aber gar nicht nötig, denn Vanessa hat mit ihrer Aktion die Riegseer erreicht, und genau das zählt. Einige Dorfbewohner haben erzählt, dass sie nun genauer hinsehen, wie viel Verpackung in so einigen Dingen steckt. Und da sind es oft schon kleine Dinge, die Plastikmüll vermeiden. Manchmal ist es aber schlicht unmöglich Plastik zu vermeiden, sagt Susanne Binder. Bei Nudeln, Reis und Linsen z.B. „Es geht aber nicht nur um Verpackungen, sondern auch um Mikroplastik, das man verbreitet“, erklärt sie.

Das alles sei manchmal gar nicht so einfach, besonders wenn’s um Süßigkeiten geht, gesteht Vanessa. Trotzdem zieht sie das Plastik-Fasten mit ihrer Familie ziemlich eisern durch, v.a. seit ihrer Aktion, sogar bei elementaren Dingen: ihre Zähne putzt Vanessa mit einer Zahnbürste aus Holz und Schlemmkreide, Kokosöl verwendet sie zum Eincremen, selbst Spülmittel, Waschmittel und Duschgel stellt sie mit ihrer Mutter selbst her. Um auch andere anzuregen, hat die Schülerin das Heft „Plastikmüll-Vermeidung“ geschrieben mit Tipps wie „kaufe Joghurt im Glas“, „benutze liebe Holzspielsachen“ oder „erstelle dein Deo selbst“. Das Heft gibt es in Susanne Binders Staffelsee-Kramer in Murnau und im Dorfladen in Riegsee. Für ihre tolle Initiative hat Vanessa mittlerweile sogar den Blauen Engel der Bundesregierung bekommen.

 

Wir machen’s so gut wie ohne – Plastikanteil in der Rösterei so niedrig wie noch nie

Thomas Eckel, selbst Riegseer und schwer beeindruckt von Vanessas Power, liegt das Thema Müllvermeiden schon lange am Herzen und möchte in der Murnauer Kaffeerösterei den Plastikanteil so gering wie möglich halten und wenn’s geht noch weiter reduzieren. Seit einiger Zeit gibt es den Latte Macchiato deshalb nur noch mit einem Strohhalm als Papier, die Hülle der Kaffeeverpackung ist so dünn wie nie – eine neuere noch dünnere Folie ist gerade in Arbeit – und als Tüten gibt es ausschließlich aus Papier oder Stoff.

 

Bilder: Johannes Volkmann