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Vallery Rosigkeit hat mich interviewt über eine Life-Time-Partnerschaft und Direct Trade. Lesen Sie nachfolgend das spannende Interview!

 Das Interview

VR: Ist das Modell des „Direct Trade“ das beste für die Kleinbauern?

Das war meine Frage an Thomas Eckel. Ich wollte herausfinden, warum er glaubt, dass Direct Trade das beste aller Handelsmodelle ist.

Und im Laufe unseres Gesprächs habe ich auch verstanden, warum „Direct Trade“ nicht nur sehr sinnvoll ist, sondern auch als eine „Life-Time-Partnerschaft“ bezeichnet werden sollte.

TE: „Ohne im Detail auf die existierenden Handelsmodelle (Fairtrade, etc.) einzugehen, kann man sagen, dass sie ihre Berechtigung hatten, solange Kaffee als Massenprodukt ausschließlich an der Börse gehandelt wurde. Der Markt hat sich jedoch verändert. Kunden bevorzugen zunehmend Spezialitäten-Kaffees, und die findet man eben nicht an der Börse.

Die Nachfrage nach Spezialitäten-Kaffees steigt kontinuierlich und in den letzten Jahren sogar rasant an. Viele Kaffeebauern haben sich diesem Trend angepasst und sind von der Massenproduktherstellung auf einen Anbau und die Verarbeitung von hochwertigeren Kaffeesorten umgestiegen.

Die Hoffnung, durch diese Umstellung auch ihren Lebensstandard verbessern zu können, hat sich jedoch nur für die wenigsten erfüllt. In den traditionellen Handelsstrukturen wird der Mehrwert an Qualität nicht im gleichen Verhältnis mit einem höheren Preis belohnt. Solange Kaffee als Masse gehandelt wird, hängt die Entlohnung weiterhin zum größten Teil vom Börsenpreis ab. Die traditionelle Kaffee-Versorgungs-Kette sieht wie in Grafik 1 dokumentiert aus.”

VR: Der Kaffeebauer muss also ganz neues Gebiet betreten.

TE: „Ja, er muss Zugang zum internationalen Spezialitäten-Röstermarkt finden. Er ist also nicht mehr nur Bauer sondern vielmehr Qualitätsproduzent und Vermarkter.”

VR: Wie finden zwei Partner aus ganz unterschiedlichen Kontinenten zusammen?

TE: „Wenn wir als Konsumenten direkt vom Bauernhof einkaufen wollen, dann ist für die meisten der nächste Bauernhof innerhalb von 15 km zu erreichen. Hier kauft man eine kleine Menge und verkostet. Bei Gefallen wird man dann zum langjährigen Kunden.”

VR: Und wie sieht das im Kaffeegeschäft aus, wo z.B. der Bauer in Kolumbien ist und der Röster in Deutschland?

TE: „Nun, auch diese Partner können zusammenfinden. Ein Handelsmodell würde dann wie in Grafik 2 dokumentiert aussehen. Hier ist es für beide Parteien essenziell, eine Beziehung für mehr als nur eine oder zwei Ernten einzugehen. Die Risiken, bzw. möglichen Verluste können ruinöse Folgen haben, wenn z.B. der Kaffeebauer im dritten Jahr auf seiner Ernte sitzen bleibt und ihm auch die Zugänge zu lokalen Märkten versperrt bleiben.

Ein- oder zweijährige Ernteverträge sind überholte Handelsmodelle, die Zeit ist reif um neue Formen des Handels zu entwickeln. – Handelsbeziehungen, die ein Leben lang anhalten.”

Thomas Eckel weiß, wie entscheidend es ist die Bauern, mit denen man Handelsbeziehungen aufgebaut hat, nicht nur für ein bis zwei Ernten zu unterstützen, sondern sie über den gesamten Zeitraum, den sie im Kaffeeanbau tätig sind, in eine kontinuierliche Handelsbeziehung, eine sogenannte Life-Time-Partnerschaft einzubinden.

TE: „Da bei Life-Time-Partnerschaften beide – also Bauer und Röster – in die Entwicklung einbezogen sind, kann dieses Partnerschaftsmodell helfen Ergebnisse aus neuen Produktions-, Ernte- oder Aufbereitungsansätzen schneller auf dem Markt zu testen.”

VR: Haben Sie Beispiele für solche neuen Ansätze?

TE: Ja. Erstens: Welche Varietät ist die beste?

Diese Frage haben sich sehr viele Marktteilnehmer in den vergangenen fünf bis sechs Jahren gestellt und die Antworten darauf wurden von vielen Kaffee-Experten kontrovers diskutiert. Eine Meinung, die auch noch von einer Studie unterstützt wurde, besagte, daß die Auswahl der Varietäten nicht ausschlaggebend sei, da im Ernteergebnis zwischen Caturra und Castillo, beide in Columbien angebaut, kein Unterschied beobachtet wurde.

Andere warteten nicht auf Studien, sondern pflanzten selbst exotische Sorten wie z.B.Geisha an. Die hierbei erzielten Ernteerträge ließen die Preise raketenartig steigen. Bei der Cup of Excellence 2016 Versteigerung in Honduras erhielt der Kaffeebauer Marysabel Caballero Garcia für ein Pfund seiner Geisha Varietät den Preis von 120,50 USD.

Zweitens: Welches Aufbereitungsverfahren ist das Beste?

Im Moment wird diskutiert, welches Aufbereitungsverfahren das Beste für den Kaffee ist. Es gibt so viele verschiedene Methoden, mit denen im Moment experimentiert wird, so daß es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir eine neue Vielfalt an Kaffeegeschmack erwarten dürfen.

Zum Beispiel während der Cup of Excellence Versteigerung in Costa Rica gewann ein Bauer mit seinem völlig neuen Verfahren. Für die Weiterverarbeitung des Kaffees nutzt er einen anaeroben Prozess, das heißt ohne die Verwendung von Sauerstoff.”

VR: Kann ein Bauer diesen Erfolg nicht auch beim reinen Direkt Trade erzielen?

TE: Natürlich kann er das. Was passiert jedoch, wenn die Versuche wertlos sind? Wenn er – wie so manch genialer Erfinder – das Ergebnis nicht vermarkten kann?

Hier hilft das Modell der Life-Time-Partnerschaft, da beide Parteien in die Entwicklungs- und Vermarktungsrisiken investieren.”

VR: An welchem Life-Time-Partnerschaft Projekt arbeiten Sie, bzw. die Murnauer Kaffeerösterei?

TE: „Es sind verschiedene. Unser neustes und größtes Projekt ist Cascara in Zusammenarbeit mit den Bauern von Pacha Mama, Peru.”

VR: Können Sie mehr dazu erzählen?

TE: Gerne.

Lesen Sie mehr dazu in unserer nächsten Ausgabe Nr. 19 der Kaffeelust.

Das Gespräch führte: Vallery Rosigkeit

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