Kaffee und Klimawandel: Wie wir mit World Coffee Research die Zukunft des Kaffees sichern

Murnauer Kaffeerösterei
Kaffee und Klimawandel: Wie wir mit World Coffee Research die Zukunft des Kaffees sichern

Kaffee und Klimawandel: Wie wir mit World Coffee Research an der Zukunft des Kaffees arbeiten

Für die Zukunft des Kaffees – warum wir World Coffee Research unterstützen

Stell Dir vor, Du bereitest Dir Deinen Morgenkaffee zu: der Duft, die Wärme, die Vielfalt der Aromen. So selbstverständlich uns dieser Moment erscheint – die Bedingungen dafür stehen zunehmend unter Druck. Kaffee ist verletzlich. Klimawandel, Krankheiten und gesellschaftliche Veränderungen stellen den Kaffeeanbau vor große Herausforderungen.

Genau deshalb unterstützen wir von der Murnauer Kaffeerösterei die Arbeit von World Coffee Research (WCR). Die Organisation erforscht und entwickelt unter anderem leistungsfähige, an unterschiedliche Anbaubedingungen angepasste Kaffeesorten und arbeitet daran, hochwertiges Pflanzenmaterial für FarmerInnen besser verfügbar zu machen.

Die globale Lage: Warum Kaffee gefährdet ist

Kaffee ist mehr als ein Getränk – weltweit hängen die Lebensgrundlagen von rund 125 Millionen Menschen vom Kaffeesektor ab, darunter etwa 25 Millionen kleinbäuerliche ProduzentInnen. Gleichzeitig verändern sich die Anbaubedingungen deutlich. Wissenschaftliche Projektionen kommen zu dem Ergebnis, dass bis 2050 etwa die Hälfte der heute für Arabica geeigneten Anbauflächen ihre Eignung verlieren könnte. Das kann Vielfalt und Erträge beeinträchtigen und den wirtschaftlichen Druck auf ProduzentInnen erhöhen.

Einflussfaktor 1: Klimawandel und extreme Wetterbedingungen

Kaffee wächst nur innerhalb bestimmter klimatischer Bedingungen. Arabica gedeiht besonders gut bei durchschnittlichen Temperaturen von etwa 18 bis 23 Grad Celsius. Schon vergleichsweise kleine Veränderungen können sich auf Pflanzenentwicklung, Ertrag und Qualität auswirken. Mehr Hintergründe dazu findest Du auch in unserem Beitrag über steigende Kaffeepreise.

Mit dem Klimawandel geraten diese sensiblen Bedingungen zunehmend aus dem Gleichgewicht. In Teilen Lateinamerikas verlagert sich der Kaffeeanbau in höhere Lagen, weil es in tieferen Anbaugebieten zu warm oder zu trocken werden kann. Höher gelegene geeignete Flächen sind jedoch begrenzt und werden häufig auch für andere Nutzpflanzen benötigt.

Gleichzeitig stellen extreme Wetterereignisse den Anbau vor zusätzliche Herausforderungen: Dürren in Brasilien, Überschwemmungen in Ostafrika oder Hurrikans in Mittelamerika können Ernten beeinträchtigen. Für viele FarmerInnen können wenige Wochen mit zu viel oder zu wenig Regen erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.

Ein weiteres Beispiel ist der Kaffeerost, auch Coffee Leaf Rust genannt. Dieser Pilz befällt die Blätter und schwächt die Pflanzen. In den Jahren 2012 und 2013 erlebten Teile Zentralamerikas und Kolumbiens eine schwere Epidemie, die Ernten und zahlreiche Existenzen bedrohte. Wärmere und feuchtere Bedingungen können die Ausbreitung des Erregers in bestimmten Regionen begünstigen.

Die Folgen können über den unmittelbaren Ernteverlust hinausgehen. Conservation International beschreibt, dass FarmerInnen als Reaktion auf Klimaveränderungen und Pflanzenkrankheiten teilweise in höhere Lagen ausweichen. Wenn dafür neue Flächen erschlossen und Wälder gerodet werden, können zusätzliche Belastungen für Klima und Biodiversität entstehen.

Einflussfaktor 2: Rückgang genetischer Vielfalt und Ertragssicherheit

Kaffee ist geschmacklich erstaunlich vielfältig – nussig, fruchtig oder schokoladig. Die genetische Basis der kommerziell genutzten Arabica-Sorten ist jedoch vergleichsweise eng. Das kann ihre Anfälligkeit für Krankheiten, Klimastress und weitere Belastungen erhöhen.

Ein Beispiel für den Verlust genetischer Ressourcen liefert eine Veröffentlichung des Crop Trust zur Sicherung der Kaffeevielfalt: Darin wird berichtet, dass in Äthiopien, dem Ursprungsgebiet von Arabica, rund 40 Prozent des genetischen Materials traditioneller Harar-Sorten verloren gegangen seien. Solche Verluste schränken die Grundlage ein, auf die Forschung und Züchtung bei der Entwicklung angepasster Sorten zurückgreifen können.

Auch wild vorkommende Kaffeearten sind bedroht: Eine wissenschaftliche Untersuchung bewertete 60 Prozent der 124 untersuchten wilden Kaffeearten als vom Aussterben bedroht. Wie unter anderem Time berichtete, kann der Verlust dieser Arten den genetischen Spielraum für künftige Anpassungen und Innovationen verringern.

Was bedeutet das konkret?

  • Weniger genetische Vielfalt kann das Risiko großflächiger Ernteausfälle erhöhen.
  • Eingeschränkte genetische Ressourcen erschweren die Entwicklung neuer, an Hitze, Trockenheit oder Krankheiten angepasster Sorten.
  • Für FarmerInnen können unsichere Erträge und zusätzlicher Preisdruck entstehen. Für KaffeetrinkerInnen könnte langfristig auch die Vielfalt bei Aroma und Qualität abnehmen.
Einflussfaktor 3: Arbeitsbedingungen und Abwanderung junger FarmerInnen

Hinter jeder Tasse Kaffee stehen Menschen. In vielen Anbauregionen steigt das Durchschnittsalter der ProduzentInnen, während zahlreiche junge Menschen ihre Zukunft eher in Städten oder in wirtschaftlich stabileren Branchen sehen.

Ein in World Development veröffentlichtes Beispiel aus Guatemala zeigt die sozialen Folgen von Kaffeerost und Ernteverlusten: In den untersuchten Regionen wurden Verluste von bis zu 71 Prozent beschrieben. Solche Einbußen können dazu beitragen, dass Familien den Kaffeeanbau aufgeben und jüngere Menschen auf der Suche nach verlässlicheren Einkommensmöglichkeiten in Städte oder andere Länder ziehen.

Auch der Coffee Development Report der International Coffee Organization beschreibt Preisvolatilität, begrenzten Zugang zu Land, Finanzierung und Wissen sowie unsichere Zukunftsaussichten als wichtige Hindernisse für junge Menschen. Gleichzeitig ist ihre Beteiligung für Innovation, Wissenstransfer und den Fortbestand des Kaffeesektors von großer Bedeutung.

Wenn junge Menschen fehlen, geht mehr verloren als Arbeitskraft: Auch Wissen, Erfahrung und Möglichkeiten für Innovation können verloren gehen. Ohne Nachwuchs, der Verantwortung übernehmen kann und möchte, wird die Zukunft des Kaffeeanbaus unsicherer.

Hoffnungsschimmer: Was World Coffee Research und Partner tun

Hier setzt World Coffee Research an. Die gemeinnützige Organisation verbindet Wissenschaft, Praxis und internationale Zusammenarbeit, um den Kaffeeanbau widerstandsfähiger und leistungsfähiger zu machen. Nach Angaben von WCR wurde die Organisation 2024 von mehr als 200 Mitgliedsunternehmen aus 29 Ländern getragen; ihr Team arbeitete in 16 Ländern. Forschungsergebnisse und verbessertes Pflanzenmaterial sollen dadurch nicht nur im Labor bleiben, sondern in Anbauregionen praktisch nutzbar werden.

Innovationen in der Kaffeeforschung

  • Angepasste Sorten: WCR arbeitet an Varietäten, die mit Trockenheit, Hitze oder Krankheiten besser umgehen und zugleich die Anforderungen an Qualität und Geschmack erfüllen sollen.
  • Internationale Feldversuche: Im International Multilocation Variety Trial wurden 31 Kaffeesorten auf 29 Forschungsflächen in 18 Anbauländern langfristig untersucht. Seit 2025 wird der Versuch mit einer kleineren Auswahl repräsentativer Standorte fortgeführt.
  • Stärkung der Saatgutketten: WCR unterstützt Saatgutsysteme, Baumschulen und den Zugang zu hochwertigem, sortenechtem Pflanzenmaterial.
  • Robusta neu gedacht: Auch Robusta ist Gegenstand der Forschung, um ihre genetische Vielfalt sowie ihr Potenzial für Qualität, Ertrag und Widerstandsfähigkeit besser zu nutzen.
Warum die Murnauer Kaffeerösterei World Coffee Research unterstützt

Wir von der Murnauer Kaffeerösterei glauben: Kaffee ist Genuss, Kultur und Verantwortung. Als Rösterei mit Schwerpunkt auf Spezialitätenkaffee setzen wir uns mit der gesamten Wertschöpfungskette auseinander – vom Anbau bis in die Tasse.

Mit unserer Unterstützung für WCR fördern wir wissenschaftliche Arbeit, die auf bessere Sorten, verlässlichere Saatgutsysteme und mehr Wissen für den Kaffeeanbau ausgerichtet ist. Damit möchten wir einen Beitrag zu Forschung und Zusammenarbeit leisten, die FarmerInnen und dem Kaffeesektor helfen können, mit den beschriebenen Herausforderungen umzugehen.

Die Crema des Ganzen – eine Zusammenfassung
  • Kaffee steht weltweit unter Druck: durch Klimawandel, den Verlust genetischer Vielfalt und soziale Herausforderungen.
  • World Coffee Research arbeitet an konkreten Ansätzen – von angepassten Kaffeesorten und internationalen Feldversuchen bis zur Stärkung von Saatgutsystemen.
  • Die Murnauer Kaffeerösterei unterstützt diese Forschungsarbeit und möchte damit zur langfristigen Vielfalt und Verfügbarkeit von hochwertigem Kaffee beitragen.

Weitere Beiträge zur Zubereitung und neue Kaffeekreationen findest Du außerdem auf unserem Instagram-Account @murnauerkaffeeroesterei.

Wissenswertes für KaffeeliebhaberInnen

Warum ist die Zukunft des Kaffees bedroht?

Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster, extreme Wetterereignisse, Pflanzenkrankheiten und soziale Herausforderungen verändern die Bedingungen im Kaffeeanbau.

Was bedeutet „klimaangepasster Kaffee“?

Gemeint sind Kaffeesorten, die unter bestimmten klimatischen Belastungen – beispielsweise höheren Temperaturen, Trockenheit oder erhöhtem Krankheitsdruck – stabilere Eigenschaften zeigen können. Welche Sorte geeignet ist, hängt von der jeweiligen Region und den konkreten Anbaubedingungen ab.

Wie hilft World Coffee Research (WCR) FarmerInnen konkret?

WCR entwickelt und prüft Kaffeesorten, stärkt Saatgut- und Baumschulsysteme und stellt Forschungsergebnisse sowie Wissen bereit. Ziel ist es, den Zugang zu hochwertigem Pflanzenmaterial zu verbessern und ProduzentInnen fundiertere Entscheidungen über geeignete Sorten zu ermöglichen.

Warum engagiert sich die Murnauer Kaffeerösterei?

Weil wir davon überzeugt sind, dass die Zukunft von Spezialitätenkaffee Forschung und Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette braucht. Mit unserer Unterstützung für WCR möchten wir dazu einen konkreten Beitrag leisten.

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