Ursprung des Kaffees: von Kaffa in Äthiopien in die Tassen der Welt

Vreni Eicher
Ursprung des Kaffees: von Kaffa in Äthiopien in die Tassen der Welt

Kaffee beginnt als Geschichte in einem Wald. Genauer: im Nebelgrün des Hochlands von Kaffa im Südwesten Äthiopiens. Hier wachsen Arabica-Kaffeepflanzen seit Jahrhunderten wild zwischen hohen Bäumen, Farnen und Moosen. Die Region gilt als Wiege des Arabica-Kaffees und prägt bis heute, wie wir Kaffee verstehen, rösten und genießen.

Dieser Beitrag nimmt dich mit auf eine kleine Weltreise: vom Hirten im äthiopischen Hochland zum Mokka im Ibrik, von türkischen Kaffeehäusern zu italienischen Bars und in die moderne Specialty-Coffee-Szene.

Kaffa: Die Wiege des Arabica-Kaffees

In Kaffa verbindet sich alles, was Kaffee liebt: tropisches Klima, fruchtbare Böden, Höhenlagen, die kühle Nächte erlauben, und eine dichte Vegetation, die natürlichen Schatten spendet.

Seit Jahrhunderten pflegen Menschen dort Kaffee auf zwei Arten:

  • als wilden Waldkaffee, der aus naturbelassenen Beständen geerntet wird
  • als kultivierten Kaffee, bei dem Unterwuchs entfernt, Kaffeekirschen gezielt geerntet und sorgfältig getrocknet werden

Die berühmte Legende erzählt von einem Hirten, dessen Ziegen nach dem Naschen der roten Kirschen vor Energie sprühten. Aus Neugier kostete er selbst und entdeckte die belebende Wirkung. Ob die Geschichte haargenau so passierte, spielt fast keine Rolle. Entscheidend ist:

Die Spur des Kaffees führt immer wieder zurück nach Äthiopien – und sehr oft nach Kaffa.


Über das Rote Meer: Wie Kaffee nach Arabien kam

Vom äthiopischen Hochland aus gelangten Kaffeekirschen früh über das Rote Meer auf die arabische Halbinsel, vor allem in den Jemen. Dort beginnt die erste große Karriere des Kaffees:

  • In Sufi-Klöstern diente Kaffee als Getränk für lange Nächte des Gebets und der Meditation.
  • In der Hafenstadt Al-Mukha (Mokka) entwickelte sich Kaffee zur begehrten Handelsware. Von hier aus reisten die Säcke mit Kaffeebohnen nach Nordafrika, in den Nahen Osten und später nach Europa.

Zunächst spielten getrocknete Kaffeekirschen (Cascara) eine wichtige Rolle. Aus ihnen bereitete man ein anregendes Getränk, das Hofgesellschaften faszinierte. Später wanderten geröstete Bohnen in kleine Metallkännchen, die wir heute als Ibrik kennen.

Damit war das Getränk geboren, das wir unter dem Namen Mokka kennen: intensiv, klein, kraftvoll, gewürzt mit Zucker und Gewürzen wie Kardamom oder Zimt.


Im Osmanischen Reich: Kaffee als Kulturträger

Mit der Ausbreitung des Osmanischen Reiches verbreitete sich auch der Kaffee. Bereits im 16. Jahrhundert entstanden in Städten wie Istanbul die ersten Kaffeehäuser, die mehr konnten, als nur Getränke servieren:

  • Sie wurden zu Treffpunkten für Handel, Politik, Kunst und Geschichten.
  • Musik, Erzählkunst und Mokka gehörten zusammen wie Tasse und Untertasse.
  • Man röstete den Kaffee frisch, mahlte ihn sehr fein und bereitete ihn im Ibrik zu.

Kaffeehäuser waren damit ein neuer sozialer Raum. Wer dort eine Tasse Mokka trank, bekam viel mehr als nur Kaffee: Zeit, Gespräche, Ideen, Geschichten.


Kaffee kommt nach Europa

Über Handelswege zwischen Osmanischem Reich, Venedig und den Hafenstädten des Mittelmeers erreichte Kaffee im 17. Jahrhundert Europa. Zuerst als exotische Kostbarkeit, bald als Dauerbrenner:

  • Venedig importierte Kaffee aus dem Osten und eröffnete früh eigene Kaffeehäuser.
  • In Wien verband sich Kaffee später mit Konditoreikultur und Gebäck.
  • In London, Paris und Hamburg wurden Kaffeehäuser zu Orten für Handel, Debatte und Zeitungen.

Noch war Kaffee ein Luxusgut. Apotheker verkauften ihn als Spezialität, Gasthäuser servierten ihn gegen gutes Geld. Parallel entwickelten sich europäische Zubereitungsarten, die sich klar vom Mokka unterschieden. Man suchte nach klaren, gefilterten Getränken statt nach dickflüssigen Aufgüssen mit Kaffeesatz.

Ein Meilenstein: 1908 erfand Melitta Bentz den Papierfilter. Aus einem Stück Löschpapier und einer durchlöcherten Messingkanne entstand der Vorläufer des modernen Filterkaffees und damit eine neue Zeitrechnung für Brühkaffee.


Vom kolonialen Handelsgut zur Weltware

Mit der steigenden Nachfrage rückten Kaffeeanbaugebiete rund um den Globus in den Mittelpunkt:

  • In Brasilien entstanden riesige Plantagen, die bald einen Großteil des Weltmarktes bedienten.
  • In Mittelamerika wurden Hochlandlagen für Arabica erschlossen.
  • In Afrika entwickelte sich neben Äthiopien auch Ostafrika (z.B. Kenia, Tansania) zu prägenden Regionen, deren Kaffees bis heute für fruchtige, lebendige Aromen stehen.

Zwei Arten prägten den Markt:

  • Arabica (Coffea arabica): ursprünglich aus Äthiopien, angebaut vor allem in Höhenlagen. Bekannt für süße, fruchtige, schokoladige Noten und eine feine, oft elegante Säure.
  • Robusta (Coffea canephora): Ursprung in zentral- und westafrikanischen Tieflandwäldern, heute stark in Vietnam, Brasilien und Teilen Afrikas vertreten. Typisch: erdige, nussige Aromen und viel Koffein, ideal für kräftige Espressi und dichte Crema.

Kaffee wurde zur Weltware: vom Sonntagsritual in europäischen Bürgerstuben bis zum täglichen Frühstück in nahezu jeder Zeitzone.

Maschinen, Espresso und die Moderne

Mit der Industrialisierung veränderte sich auch die Zubereitung:

  • Die ersten Espressomaschinen setzten Wasser unter Druck, um Kaffee in Sekunden zu extrahieren.
  • Elektrische Filterkaffeemaschinen brachten Brühkaffee in Büros, Kantinen und Privathaushalte.
  • Der Alltag bekam Kaffee auf Knopfdruck – zuverlässig, planbar, immer verfügbar.

Parallel lebte die Liebe zum Handaufguss weiter. Eine Szene von Kaffeefans, Baristas und Röstern fragte: Was passiert eigentlich im Detail bei Extraktion, Mahlgrad, Temperatur und Brew Ratio? Die Antwort führte direkt in die nächste große Welle.


Third Wave & Specialty Coffee: Zurück zur Herkunft

Seit den späten 1990ern richtet sich der Blick wieder stärker dorthin, wo alles begann: auf Herkunft, Aufbereitung und Handwerk.

Die sogenannte Third Wave Bewegung versteht Kaffee als Genussmittel mit eigenem Terroir – so wie Wein. Im Zentrum stehen Fragen wie:

  • Aus welchem Land, welcher Region, welcher Farm stammt dieser Kaffee?
  • Welche Varietät wächst dort und wie wird sie aufbereitet: washed, natural, honey, anaerob?
  • Welcher Röstgrad bringt die individuellen Aromen am besten zur Geltung?

Kaffees aus Afrika gelten häufig als besonders fruchtig, floral und lebendig. Michael Eckel beschreibt sie so:

Er sucht in guten afrikanischen Kaffees nach fruchtigen Noten von Beeren, Zitrusfrüchten und Fruchtblüten, getragen von natürlicher Süße, schokoladigen und würzigen Anklängen, mit vollem, rundem Körper.

Damit schließt sich ein Kreis: Die moderne Kaffeekultur feiert wieder genau das, was im Hochland von Kaffa seit Jahrhunderten angelegt ist – eine außergewöhnliche aromatische Vielfalt, die in der Rösttrommel sichtbar und in der Tasse erlebbar wird.


Vom Wald zur Tasse: Was bleibt vom Ursprung?

Schaut man auf diese Reise, lässt sich die Entwicklung des Kaffees in drei spannenden Bildern erzählen:

  1. Wald & Ritual
    Kaffee als wilder Waldkaffee in Äthiopien, als Getränk der Sufis und als Mokka im Ibrik.
  2. Handel & Städte
    Kaffeehäuser in Istanbul, Venedig, Wien, London und Paris als Orte für Austausch, Kultur und neue Ideen.
  3. Welt & Handwerk
    Kaffee als globales Getränk mit regionalem Charakter, geröstet und gebrüht mit einem Bewusstsein für Herkunft, Aufbereitung und Zubereitung.

Wenn du heute eine Tasse äthiopischen Arabica genießt, steckt darin ein Stück dieser ganzen Reise:

  • das Hochland von Kaffa,
  • die Gewürzluft von Mokka am Roten Meer,
  • das Stimmengewirr osmanischer Kaffeehäuser,
  • das Klappern von Filter, Mühle und Tassen moderner Röstereien.

Kaffee bleibt damit immer beides: Alltagsbegleiter und Geschichtenerzähler. Jede Bohne trägt die Spuren ihrer Herkunftskultur in sich. Und jede Tasse bietet die Chance, genau das zu schmecken.

Fazit: Ursprung des Kaffees wie wir ihn heute erleben

Die Reise des Kaffees beginnt im grünen Hochland von Kaffa und führt über Mokka, Kaffeehäuser und Espressobars bis in die moderne Specialty-Coffee-Szene. Heute kannst du mit jeder Tasse bewusst entscheiden, welchen Teil dieser Geschichte du schmecken möchtest – vom fruchtigen Äthiopien-Filterkaffee bis zum kräftigen Espresso-Blend. Wer Herkunft, Aufbereitung und Zubereitung im Blick behält, holt sich nicht nur ein Getränk in die Tasse, sondern ein Stück Kulturgeschichte, das in jeder Bohne lebendig bleibt.

Mehr Geschmack aus jeder Bohne - mit dem Filterkaffeebuch

Das gesammelte Wissen unserer Experten zum klassischen Handaufguss. Kompakt, verständlich und sofort umsetzbar.

In unserem Filterkaffeebuch steckt das praktische Wissen aus unzähligen Schulungen und Verkostungen in der Murnauer Kaffeerösterei.
Schritt für Schritt zeigen wir, wie aus guten Bohnen großartige Tassen werden – zu Hause, im Büro oder in der Gastronomie.

Das Filterkaffeebuch der Murnauer Kaffeerösterei vereint auf knappem Raum:

  • Konkrete Rezepte für genussvolle Momente
  • Einfache Erklärungen zu Mahlgrad, Wasser, Temperatur und Extraktion
  • Fehlerbilder & Lösungen, damit Bitterkeit und Säure kein Zufall bleiben

Ideal für alle, die Filterkaffee nicht „irgendwie“, sondern bewusst und reproduzierbar zubereiten möchten.

Newsletter für Kaffee-LiebhaberInnen

Exklusive Inhalte & Vorteile – direkt aus der Murnauer Kaffeerösterei.

Ein Kuvert öffnet sich und eine Geschenkkarte kommt heraus: Dein Geschenk – 10 % auf Deinen 1. Einkauf