Die Malabarküste
im Südwesten Indiens gilt als eines der frühen Kaffeeanbaugebiete des Landes. Von hier aus wurde Kaffee bereits früh verschifft, nachdem er aus dem abessinischen Hochland Äthiopiens über den Jemen nach Indien gelangt war. Entlang der Küste und im Hinterland bewirtschaften heute zahlreiche FarmerInnen Parzellen in Höhenlagen von etwa 600 bis 1.600 Metern. Das feuchtwarme Küstenklima und die Hanglagen im Landesinneren bieten stabile Bedingungen für robuste Arabica-Pflanzungen. Dieser Kaffee stammt von verschiedenen Betrieben der Region, in denen vor allem die Varietäten Kent, Catimor und Selection 9 angebaut werden. Sie sind an die lokalen Bedingungen angepasst und liefern dichte Bohnen, die sich besonders gut für die spezielle Monsooning-Aufbereitung eignen. Geerntet wird in der Hauptsaison von Oktober bis Februar.
Monsooning
ist eine Aufbereitungsform, die es nur in Indien gibt. Historisch entstand sie als Nebeneffekt langer Seereisen nach Europa, als Kaffee in hölzernen Segelschiffen während der Monsunzeit über Wochen feuchten, warmen Winden ausgesetzt war. Die Bohnen nahmen Feuchtigkeit auf, quollen auf und wechselten ihre Farbe von grün zu einem blassen Gelb. Heute wird dieser Effekt gezielt und kontrolliert nachgebildet. Sonnentrockene Arabica-Cherry-Bohnen werden in gut belüfteten Lagerhäusern an der Malabarküste ausgebreitet. Während der Monsunmonate von Juni bis September sind die Seitenwände geöffnet, damit die feuchten Winde ungehindert zirkulieren können. Über 12 bis 16 Wochen nehmen die Bohnen kontinuierlich Feuchtigkeit auf, verlieren an Dichte, werden größer und ändern ihre Farbe. Mehrmals täglich werden sie von Hand gewendet; am Ende folgen Polieren, Grading und Farbsortierung für ein homogenes, glänzendes Bohnenbild. Aufgrund des geringen Gewichts empfiehlt sich bei der Röstung eine Dosierung nach Volumen statt nach Gewicht.
Indien
ist für eine große Vielfalt an Aufbereitungsarten und regionalen Spezialitäten bekannt. Neben klassisch gewaschenen und natürlich aufbereiteten Kaffees nimmt monsooned Kaffee aus der Region Malabar eine Sonderstellung ein. Er zählt zu den Raritäten des Landes, da das Zusammenspiel aus Klima, Infrastruktur und Erfahrung nur in wenigen Küstenbereichen gegeben ist. Die Malabarküste mit ihren monsunreichen Monaten und der Nähe zum Meer bietet genau die Bedingungen, die für ein kontrolliertes Monsooning nötig sind. Auf den beteiligten Farmen arbeiten die ErzeugerInnen mit klaren Qualitätszielen. Die Auswahl geeigneter Varietäten, eine auf die Höhenlage abgestimmte Bewirtschaftung und die sorgfältige Vorbereitung der sonnengetrockneten Cherries bilden die Grundlage, bevor der Monsooning-Prozess beginnt. So entsteht ein Kaffee, der deutlich aus dem üblichen Arabica-Bild herausfällt und in der internationalen Szene als eigenständiger Stil wahrgenommen wird.
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