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Üppig gelbes Barbarakraut, knallpinke Lichtnelken und zartblaue Storchenschnäbel. Wie eine farbige Flut stürmte diese bunte, duftende Blütenpracht jedem in die Sinne, der letztes Frühjahr an Josef Westenrieders Wiese vorbeikam. Auf 1,7 Hektar hatte der Söcheringer Bio-Bauer Blühstreifen ausgesät, um Bienen, Hummeln und anderen Insekten Nahrung und Lebensraum zu bieten. So wird es auch dieses Jahr wieder sein, denn er will etwas tun gegen das Insektensterben, so wie seine Partner von Kostbar und auch der Murnauer Verschönerungsverein.

Das erfolgreiche Volksbegehren „Rettet die Bienen“ im Februar war ausschlaggebend dafür, dass viele Menschen sich verstärkt mit dem Thema Insektensterben auseinandersetzen. Josef Westenrieder vom Marx-Hof hatte das schon immer auf dem Schirm. Der Landwirt ist eng mit seiner Heimat, den wertvollen Weiden rund um seinen Hof und seinen Kühen verbunden. In den letzten zehn Jahren stellte er die Weichen für seinen Betrieb immer sensibler auf eine naturnahe Landwirtschaft ein, die gleichzeitig Lebenseinstellung ist. Ein intakter Boden mit gesunden Pflanzen, artgerechte Haltung sowie Fütterung und ein würdevolles Leben für seine Tiere, regionales Wirtschaften ohne Gentechnik, Energieeffizienz, Transparenz für seine Produkte.
Es ist also nicht erstaunlich, dass sein Blick sich auch auf Insekten richtet. „Ich weiß, wie wichtig diese Tiere für das ökologische Gleichgewicht sind. So wie es jetzt ist, kann und darf es nicht weitergehen, sonst werden wir uns alle bald noch umschauen“, erklärt der Landwirt. Dabei sei es für jeden einzelnen einfach, etwas zu ändern und zum Schutz der Insekten beizutragen. Blühstreifen im eigenen Garten anlegen oder insektenfreundliche Pflanzen auf Terrasse oder Balkon stellen, Insektenhotels platzieren, regional einkaufen und v.a. das Bewusstsein entwickeln, dass qualitativ gute Lebensmittel Geld kosten und es auch wert sind, weil Wertschöpfung für Mensch und Natur dranhängen. Er selbst hat auch schon wieder Blühstreifen ausgesät auf insgesamt 1,7 Hektar.

Dasselbe Feuer brennt auch in Wilhelm Müllers Brust. Seit 2013 bereitet der Vorstand des Murnauer Verschönerungsvereins mit seinen engagierten Mitgliedern Flächen bei uns in Murnau insektenfreundlich auf. „Angefangen haben wir mit einigen Verkehrsinseln“, erinnert er sich. Den Humus stellte damals der Markt zur Verfügung, und Gärtner halfen, die Blumensaat auszubringen. „Die Rückmeldungen waren so toll, dass jedes Jahr weitere Flächen hinzukamen“, berichtet er. Parkflächen und Schulhöfe kamen hinzu, außerdem pflanzt der Verein Stauden und Blumenrabatte beim Alterswohnsitz Garhöll seit 2016, sodass sich auf mittlerweile 1.200 m2 jedes Jahr unzählige Insekten tummeln. Wichtig ist Wilhelm Müller dabei, dass es sich um Pflanzen handelt, die zur Region passen und bestmöglich gedeihen. Auf den Kosten bleibt der Verein nie alleine sitzen. Die Markgemeinde und der Obst- und Gartenbauverein unterstützen diese Initiative sowohl finanziell als auch mit Man-Power beim Säen und Pflanzen von Blumen und Stauden und v.a. beim Ausbringen der Humusschicht, die alle paar Jahre erneuert werden muss. „2019“, kündigt er an, „werden Insekten auch auf Flächen im Ainmiller-Park, im Molo-Park und vor der Christuskirche Zuflucht finden.“

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Vor allem Josef Westenrieders Beispiel möchte auch Kostbar folgen. Der Zusammenschluss von acht Betrieben aus der Murnauer Umgebung, zu dem auch der Söcheringer „Marx-Hof“ gehört, steht für eine bewusste und gesunde Lebensart sowie regionale Qualität durch nachhaltige Landwirtschaft. Die Betriebe unterstützen die Idee ihres Partners und machen kurzerhand mit. Jeder nach seinen Möglichkeiten, denn nicht jeder hat eine ganze Wiese wie der Bio-Landwirt zur Verfügung.

Alpaka Hof, Riegsee
„Heuer bauen wir Hanf an“, sagen Josef und Helene Schmid. „Das ist eine sehr wertvolle Pflanze von den Eigenschaften her wie z.B. Humusaufbau. Ein Bauer aus Österreich hat uns von seinen Erfahrungen berichtet und davon, wieviel Leben in den Pflanzen drin steckt mit Bienen und Vögeln.“

Riegseer Weideochs, Riegsee

„Wir werden diesen Sommer einige Hektar Wiesen stehen lassen, wenn es Zeit ist für den ersten Schnitt. So können Blumen und Gräser blühen und verblühen, sodass Insekten dort Nahrung finden. Außerdem werden wir mehrjährige Blühstreifen mit regionstypischen Blumenmischungen anlegen. Damit wird ein guter Grundstock für eine langfristige Veränderung gelegt“, kündigen Georg und Vroni Mayr vom Naturlandhof Mayr an.

Brauerei Karg, Murnau
„Wir werden unsere Blumenkästen zur Lederergasse hin und ein großes Fass im Biergarten von einer Gärtnerei bepflanzen lassen. Die werden wir hegen und pflegen, damit Insekten so lang wie möglich eine Anflugstelle bei uns haben“, freut sich Victoria Schubert, Geschäftsführerin der Brauerei Karg.

Garten Eden, Ohlstadt
„Unsere Gärtnerei ist ein Bienenstandort, gepflegt werden die Kästen vom Imker Hubert Laber. Bienen finden bei uns in der gesamten Saison eine Vielfalt an Gemüsesorten, Kräutern und Blumen. Wir pflanzen jedes Jahr zwischen Gemüse, das Bestäubung benötigt wie Gurken, Zucchini, Kürbis oder Bohnen, Pflanzen mit Nahrungsquellen für Insekten. Das sicher auch unsere Ernteerträge auf natürliche Weise, ohne Kunstdünger und Co. Mein persönlicher Favorit ist der Strauchbasilikum african blue, der den ganzen Sommer von Insekten angeflogen wird“, sagt Johannes Neuner.

Krönner, Konditorei & Kaffeehaus, Schokoladen Manufaktur, Murnau
„Wir werden uns von unserem Partner Garten Eden mehrere Kübel bepflanzen lassen mit insektenfreundlichen Blumen, die wir vor unsere Geschäfte stellen. So haben nicht nur Insekten ihre Freude an der bunten Pracht, sondern auch unsere Gäste“, kündigt Barbara Krönner an.

Off Mühle, Sindelsdorf
„Wir werden unseren großen Rasen erst dann mähen, wenn die ersten Frühlingsblumen, v.a. der Löwenzahl verblüht sind. Bei uns rund ums Haus und um die Mühle werden wir zu den bereits vorhandenen Blumen noch solche pflanzen, die für Bienen und andere Insekten gute Nahrungsquellen sind“, sagen Martin und Veronika Sonner.

Murnauer Kaffeerösterei, Murnau
„Wir werden unseren Gartenzaun in einen Insekten-Flugplatz verwandeln. Dazu wird der Garten Eden uns eine Reihe von Blumentöpfen mit insektenfreundlichen Blumen bepflanzen, die wir am Zaun anbringen werden“, sagt Thomas Eckel.